Mycotoxin-Problem
nur mit angepasster Fruchtfolge lösbar
In
letzter Zeit werden in der Schweiz im Zusammenhang mit Mycotoxinen vor allem
pfluglose Anbausysteme, insbesondere die Direktsaat, kritisiert. Gegen diese
verkürzte Sichtweise sprechen viele Fakten. Im Folgenden nimmt die SWISS
NO-TILL (Schweizerische Gesellschaft für bodenschonende Landwirtschaft)
Stellung dazu. Ihr ist es wichtig, aktiv an der Lösung des Problems
mitzuarbeiten.
Fusarien sind Pilzkrankheiten auf Getreide und Mais, die zu giftigen Mycotoxinen in den Körnern führen können. Die Pilze der Gattung Fusarium wirken sich mit Ertragsausfällen nicht nur auf die Produzenten, sondern mit den erzeugten Mycotoxinen auf die gesamte Getreide-Branche und letztlich auf die Gesundheit der Konsumenten aus.
Die
SWISS NO-TILL hat die aktuelle Fachdiskussion intensiv verfolgt und die einschlägigen
Forschungsbefunde analysiert. Daraus zieht sie folgende Schlüsse:
§
Ein Fusarienbefall ist Folge von Witterung,
Vorfrucht, Bodenbearbeitungsverfahren sowie Sortenwahl. Das zeigt: Das
Anbausystem ist nicht einziges und nicht wichtigstes Kriterium; dieses muss
immer in den Zusammenhang mit den anderen Ursachen - insbesondere im Rahmen der
gesamten Fruchtfolge - gebracht werden.
§
Es existieren wirksame Bekämpfungsmassnahmen
gegen Mycotoxine. Am wirkungsvollsten ist die Beachtung der Fruchtfolge mit
einem konsequenten jährlichen Wechsel von Halm- zu Blattfrüchten. Insgesamt
ist eine sinnvolle Kombination der oben diskutierten Einzelmassnahmen
anzustreben.
§ Die Direktsaat kann nicht der alleinige Verursacher des Mycotoxin-Problems sein. In der Schweiz wurden 2002 schätzungsweise 5’000 ha Brot- und Futtergetreide sowie Silomais direkt gesät. Bei einer Gesamtfläche von rund 170’000 ha Fusarienwirtspflanzen (Weizen, Triticale, Hafer, Körner- und Silomais), entspricht dies knapp 3% der vom Fusarienproblem betroffenen Fläche. So gesehen ist der Pflugeinsatz kein Allheilmittel. Vielmehr ist zu vermuten, dass eine langjährige pfluglose Bodenbearbeitung in Kombination mit konsequentem Wechsel von Halm- zu Blattfrucht den Fusarieninfektionsdruck deutlich reduziert.
Kontrollmessungen in den Getreidesammelstellen
§ Die Getreidesammelstellen sollen durch Messungen des Mycotoxin-Gehaltes direkt bei der Annahme des Getreides feststellen, ob die Probe einwandfrei ist. So würde das Problem exakt erkannt und effizient angefasst. Zusätzlich hat der Produzent das Gefühl, ernst genommen zu werden.
§
Bei der Revision der ÖLN-Richtlinien soll den
Anbaupausen grössere Beachtung geschenkt werden. Innerhalb einer
Getreide-Mais-Fruchtfolge sollten nicht mehr als 50% Fusarienwirtspflanzen
angebaut werden dürfen. Ehrlicherweise würde das zur Formel führen: kein
Weizen nach Mais. Die entsprechende Umsetzung ist Aufgabe der
landwirtschaftlichen Beratung.
Bundesamt für Gesundheit (BAG) einbeziehen
§
Das Fusarienproblem weist auch Zusammenhänge
mit der Gesundheit der Konsumentinnen und Konsumenten auf. Deshalb ist das BAG
in die aktuelle Diskussion miteinzubeziehen.
§
An der FAL Zürich-Reckenholz und an der RAC in
Changins wurden verschiedene Untersuchungen zum Auftreten der wichtigsten
Fusariumart bei Getreide und Mais, nämlich Fusarium graminearum, sowie zu Möglichkeiten der Regulierung dieser
Krankheit gemacht. Über andere Fusarium-Arten, die ebenfalls auf Getreide
auftreten können, sind bislang nur geringe Kenntnisse vorhanden. Für die
Bedeutung und die Gründe für das Auftreten anderer Fusarien bei Mais bestehen
ebenfalls noch grosse Wissenslücken, die untersucht werden sollten, um auch
dort Mykotoxinproblemen entgegenwirken zu können. - Mit einem Schnelltest, ähnlich
der "Fallzahl", könnten die Kontrollmessungen in den
Getreidesammelstellen wesentlich erleichtert werden.
§ Mycotoxine sind nicht ein isoliertes Problem von Landwirten mit Direktsaat-Anbausystemen. Deshalb ist es sachdienlich, dass alle Beteiligten am selben Strick ziehen. In diesem Sinne ist die SWISS NO-TILL überzeugt von der Notwendigkeit eines intensiven Austauschs mit Swiss Granum sowie anderen betroffenen Kreisen und ist gerne bereit diesen zu initiieren.
Last update: 27. 5. 03/rs