Direktsaat und Fruchtfolgegestaltung - Anbauempfehlungen der SWISS NO-TILL zur Mycotoxin-Verminderung im zukunftsorientierten Getreidebau
Bei der pfluglosen Bodenbearbeitung und insbesondere bei der Direktsaat kann durch die Mulchbedeckung der Befall mit Fusariumpilzen gefördert werden. Da diese Anbausysteme so viele ökonomische und ökologische Vorteile bieten, sollte man sie allerdings nicht leichtfertig aufgeben. Mit den vorliegenden Anbauempfehlungen trägt die SWISS NO-TILL zur Problemlösung bei, Fusarien bei pflugloser Bodenbearbeitung zu bekämpfen.
Bekanntlich existiert die Mycotoxin-Problematik bereits seit mehreren Jahrzehnten. In niederschlagsreichen Sommermonaten (z.B. im 2002) wird sie jeweils akut. Insbesondere in der Schweiz wird die Direktsaat als Mycotoxin-Hauptverursacherin verantwortlich gemacht. Problematisch wird es, wenn nach Körnermais eine Winterweizen-Direktsaat tritt. Dieser Fall tritt jedoch seltener ein als bisher angenommen: Im Jahre 2002 traf dies im Direktsaatprogramm des Kantons Bern beispielsweise auf knapp 40 ha der insgesamt 2'400 ha Vertragsfläche zu.
Wesentliche Faktoren, die zu einer Fusariuminfektion der Weizenähre und in der Folge zu einer Mycotoxinanreicherung im Erntegut führen können, sind die Witterung, die Sortenwahl, die Fruchtfolge/Vorfrucht und die Mulchbedeckung im Infektionszeitraum.
Witterung
Zu einer nennenswerten Infektion kann es nur kommen, wenn die Temperatur- und Feuchteansprüche der verschiedenen Fusarium-Arten erfüllt sind. Konkret: mehrtägige feucht-nasse Witterung während der Weizenblüte in Verbindung mit Temperaturen von ca. 18 °C und einem verzögerten Abblühen.
Empfehlung: Als Notmassnahme kann unter den erwähnten Bedingungen eine chemische Bekämpfung in Betracht gezogen werden.
Sortenwahl
Die Wahl einer wenig fusariumanfälligen Sorte stellt eine wesentliche Bekämpfungsmassnahme dar. Die Sortenliste der Eidgenössischen Forschungsanstalten FAL-Reckenholz und RAC-Changins sowie der Swiss Granum gibt für Weizen, Triticale und Körnermais Auskunft über die Fusariumtoleranz der einzelnen Sorten. Leider gibt es nur wenige gering anfällige Winterweizensorten. Bei Mais ist die Auswahl an toleranten Sorten grösser.
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Empfehlung: |
- Anbauen: |
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- Meiden: |
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- Beachten: |
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Fruchtfolge/Vorfrucht
Die Fusariosen sind Schaderreger, welche neben verschiedenen Getreidearten und Mais auch Gräser befallen. Die Fruchtfolgeproblematik hat sich durch folgende Faktoren verstärkt: die enorme Flächenzunahme von Mais, die Einführung von Triticale, die stetige Intensivierung bezüglich Düngung, Halmverkürzer und die Züchtung neuer, fusariumanfälliger Hochleistungssorten. Die ausgewogene Fruchtfolgegestaltung ist die zentrale Massnahme gegen Fusarium.
Empfehlungen: - Jährlicher, konsequenter Wechsel von Blatt- zu Halmfrucht:
Ÿ keinen Winterweizen oder Triticale nach Silo- bzw. Körnermais, keinen Mais nach Mais sowie keinen Weizen nach
Weizen anbauen. Ein Fruchtfolgeanteil von Weizen, Triticale und Mais von 50 % oder weniger führt zwangsläufig zu
einem viel geringeren Infektionsdruck.
- Fruchtfolgebeispiele:
Ÿ wenig fusariumfördernd: Zuckerrüben, Kartoffeln, Winterraps, Sonnenblumen oder Wintergerste vor Winterweizen;
Ÿ mittelstark fusariumfördernd: Klee-Gras-Mischungen, Eiweisserbsen oder Winterweizen vor Winterweizen;
Ÿ stark fusariumfördernd: Silo- oder Körnermais vor Winterweizen, Mais vor Mais.
Bodenbearbeitung und rottefördernde Massnahmen
Die Bodenbearbeitung hat einen entscheidenden Einfluss auf die Mulchbedeckung. Je extensiver die Bodenbearbeitung, desto mehr mulchartiges Pflanzenmaterial liegt auf der Bodenoberfläche. Dementsprechend steigt das Befallsrisiko im Folgejahr.
Verbreitet ist die Meinung, dass mit dem Pflugeinsatz ein möglicher Fusariumbefall sicher verhindert werden kann. Es gibt aber Untersuchungen, die das Gegenteil belegen: Bei unsachgemässer und tiefwendender Grundbodenbearbeitung, insbesondere nach Körnermais, können erhebliche Mengen sehr schlecht verrottender Pflanzenreste (Stängelteile und Spindeln) an der Bodenoberfläche zurückbleiben. Zudem werden untergepflügte, fusariumbefallene Maispflanzenreste in grösseren Bodentiefen kaum abgebaut. Durch erneuten Pflugeinsatz können sie wieder an die Ackeroberfläche gelangen und Anfangsinfektionen auslösen.
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Empfehlungen: |
- Allgemein: |
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- Mais: |
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- Körnermais, Winterweizen oder Triticale : |
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- Winterweizen oder Triticale: |
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- Unabhängig von der Vorfrucht: |
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Weitere Aspekte bei der Bekämpfung von Mycotoxin sind:
Fungizideinsatz
Mit Fungizideinsätzen ohne flankierende Begleitmassnahmen wird das Mycotoxin-Problem nicht gelöst. Zur Verminderung des Fusarium-Befalls und des Toxingehaltes im Erntegut können jedoch als "Feuerwehrmassnahme" Fungizide bedingt empfohlen werden. In Feldversuchen wurde nachgewiesen, dass der Einsatz von Fungiziden mit den heute zugelassenen Wirkstoffen (Triazole und Strobilurine) selten den Wirkungsgrad von über 50 % erreicht. Auch die Erfassung des optimalen Behandlungszeitpunktes (innerhalb einer Zeitspanne von drei bis sechs Tagen während der Blüte) erweist sich als äusserst schwierig. Falsch eingesetzte Fungizide erhöhen unter Umständen sogar den Befall und reduzieren den Ertrag. Im hochwüchsigen Mais ist eine chemische Bekämpfung nicht möglich.
Empfehlungen: Ÿ Fungizidbehandlungen sind nur als Feuerwehrmassnahme in Betracht zu ziehen.
Ÿ Bei Infektionsgefahr kann ein Fungizideinsatz mit Triazolen in die Blüte erfolgen, Strobilurine sind möglichst zu vermeiden.
Ÿ Wenig fusariumanfällige Getreidesorten wählen.
Stickstoffregime
Das Stickstoffregime beeinflusst den Fusariumbefall. Durch zu späte und hohe (Ährenschieben-) Gaben neigt der Bestand zur Lagerung. Die Spaltöffnungen der Blätter bleiben lange Zeit geöffnet – die Infektionsbedingungen sind optimal. Wird einer möglichen Lagerung mit einer Moddus-Behandlung vorgebeugt, erreichen die Pilzsporen dank der verkürzten Pflanzenstängel leicht die Ähren.
Empfehlungen: Ÿ Die letzte N-Gabe ist zu reduzieren, dafür sind die beiden ersten leicht zu erhöhen.
Ÿ Ein zu starkes Einkürzen ist zu vermeiden, beim Umgang mit Moddus ist Vorsicht geboten.
Ÿ Standfeste Getreidesorten wählen.
Vermarktung
Die Getreidebranchen-Organisationen (Swiss Granum und IP-Suisse) haben spezifische Empfehlungen ausgearbeitet. Die Getreidesammelstellen können stark belastete Posten zurückweisen.
Empfehlungen: Ÿ Mit Fusarium befallene Feldteile sind separat zu dreschen, die Posten gesondert abzuliefern und der Sammelstelle mitzuteilen.
Ÿ Insbesondere Lagerfruchtbestände mit mittel und hoch anfälligen Winterweizen- und Triticalesorten sind vor der Ernte sorg-
fältig zu kontrollieren.
Ÿ Es gelten die Empfehlungen der Getreidebranchen-Organisationen sowie Getreidesammelstellen.
Fazit
Die effizienteste Verminderung des Fusariumbefallsrisikos geschieht durch den Verzicht auf den Nachbau von Winterweizen nach Mais sowie durch einen Fruchtfolgeanteil von Weizen, Triticale und Mais von höchstens 50 %. Mycotoxinanreicherung durch Fusariumbefall im Winterweizen nach Mais kann sehr wirksam durch den Anbau wenig anfälliger Sorten vermindert bzw. ganz verhindert werden. Diese Massnahme muss auf jeden Fall mit einem rottefördernden Zerkleinern sowohl der Silo- als auch der Körnermaisrückstände durch exaktes Mulchen der abgeernteten Maisfelder kombiniert werden. Das flache, maximal 15 cm tiefe Einarbeiten derart zerkleinerter Maisrückstände in die umsetzungsaktive Ackerkrume im Rahmen konservierender Bodenbearbeitungssysteme sorgt zusätzlich – im Gegensatz zum tiefen Unterpflügen in wenig tätige Bodenschichten – für den nachhaltigen Abbau der Maisrückstände und damit für ihre Entfernung aus der Fruchtfolge.
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update: 23.8.03/rs